Als ich fast mal einen teuren Gürtel bekommen hätte

Die Reise beginnt natürlich zu Hause. Bei meinen Eltern. Ein paar Worte vorab: Beide haben gemeinsam viele Jahre ein kleines Unternehmen geführt. Das klingt nach mehr als es war. Etwa fünf Angestellte, rund um die Uhr viel Arbeit und letztlich auch viel Ärger. Irgendwann haben sie sich entschlossen, damit aufzuhören. Mama ist nun Angestellte, Papa ist Rentner.

Bei uns zu Hause war nicht mein Vater der Herr über die Finanzen und das war auch echt gut so. Denn er lebt nach der Devise: Wenn ich etwas brauche, dann kaufe ich es. Egal wo, egal zu welchem Preis. Geld ist nicht wirklich seine Sache. Er geht damit wohl sehr spontan um, wenn man es so ausdrücken kann. Dafür ist er risikofreudiger, gibt auch mal etwas für nicht unbedingt notwendige Dinge aus und hat immer ein Herz für eine schicke Jacke oder auch mal etwas fürs Auto. Manchmal hat er dabei auch Glück und kauft günstig Sachen, die er später teurer verkaufen kann. Aber geplant ist das eher nicht. Von ihm habe ich wohl gelernt, dass Geld ausgeben Spaß machen kann.

Meine Mutter ist da ganz anders. Sie hat immer auf das Geld geachtet, hat die Buchhaltung der Firma gemacht und immer schon in den nächsten Monat geschielt. Ihr ist es wohl zu verdanken, dass das Unternehmen überhaupt so lange am Leben war. Sie ist sparsam, ohne geizig zu sein. Wenn wir als Kinder etwas brauchten, dann bekamen wir es. Sie achtete stets darauf, dass es Klamotten, Schuhe oder Sachen für die Schule lange halten. Mama hat mir glaube ich vermittelt, Geld an den richtigen Stellen zu sparen, um gut in die Zukunft planen zu können.

Dazu eine Anekdote: Der kleine Max, etwa sieben oder acht Jahre alt, sieht in einem Laden einen Ledergürtel mit einem großen Emblem der Marke „Joop“. Das Teil kostete wohl runde 200 Mark. Ich machte einen riesigen Aufstand und wollte den Gürtel haben. Ich wusste weder was das genau ist, noch was „Joop“ bedeutet. Abgesehen davon wäre er wohl auch viel zu groß gewesen. Papa sagte: „Na, wenn er dir gefällt, dann nehmen wir ihn eben.“ Wir gehen beide freudestrahlend zur Kasse, als Mama im letzten Moment um die Ecke kommt. Ein kurzer Blick, ein paar passende Worte und mein Papa und ich verließen den Laden ohne Gürtel, dafür mit langgezogenen Ohren.

Als ich mit einigen Freunden darüber sprach, sagten sie mir: „Krass. Das ist bei uns zu Hause genau umgekehrt.“ Fast alle haben mir bestätigt, dass Mama gerne Geld ausgibt und Papa eher auf den Pfennig schaut. Offensichtlich komme ich aus einer verkehrten Welt.

Was habe ich von diesem kurzen Rückblick in meine Kindheit gelernt? 1. Der Umgang meiner Eltern mit Geld war nicht einheitlich. Beide haben wohl sehr unterschiedliche Philosophien vertreten. 2. Ich würde mich heute in keine der beiden Kategorien wirklich einordnen. Weder bin ich ein guter Sparer, noch gebe ich gerne Geld aus.

Die Feststellung ist also: Wie unsere Eltern mit Geld umgehen, muss nicht unbedingt auf uns abfärben. Was aber sehr wohl langfristig wirken kann, sind die Vorkehrungen, die unsere Eltern in finanzieller Hinsicht für uns getroffen haben.

Davon werde ich euch später noch erzählen.

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